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Der Radiergummi - Die Geschichte |
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| © Dirk Franken + Arnd Hepprich |
Januar 2006 |
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Wie geht's? Radiergummi Es gibt Dinge, die ziehen paarweise durch die Welt. Für meinen Begriff gehören Bleistift und Radiergummi unbedingt dazu. Was die beiden augenfällig unterstreichen, wenn sie in jener beliebten Kombination auftreten: langer Holzgriffel, bekrönt von rosa radierendem Köpfchen. Dabei unterwanderten sie die Schreibzunft nicht einmal gleichzeitig, nein, Jahrhunderte lagen dazwischen. Das stets beliebte Henne-Ei-Problem immerhin findet hier schnell seine Antwort: Wo nichts gestrichelt wurde, braucht's auch nichts zum Radieren. Trotzdem wollen wir heute zunächst dem Juniorpartner die Ehre geben. Denn während der Bleistift gerade noch als Kind des Mittelalters durchgehen mag, gebar den Radiergummi die durchaus schon reifere Neuzeit. Für den nämlich musste Europa zuvor erst Amerika und dann den Kautschuk entdeckt haben. Bevor im Jahre 1770 - oh, wieder so eine Geschichte: Viele Quellen flechten nämlich allzu exklusiv dem englischen Theologen und Naturforscher Joseph Priestley (1733-1804) den Erfinderlorbeer ums Haupt. Dabei entdeckte im Jahre 1770 der damals nicht weniger bekannte Mechaniker Edward Nairne (1726-1806) rein zufällig, wie sich mit dem noch recht nutzlos scheinenden Kautschuk Bleistiftstriche ausradieren lassen und verpasste ihm dieser Eigenschaft halber auch gleich den seither gebräuchlichen englischen Namen: rubber. Priestley hingegen war es, der über dessen Entdeckung berichtete und sie so erst publik machte. Kautschuk also, aber längst nicht mehr nur. Daneben enthalten unsere Radierer nahezu ein Dutzend weiterer Stoffe, Schwefel etwa und Quarzmehl. In Form kommt das Gemisch durch Wärmebehandlung, das Vulkanisieren, ganz ähnlich den Autoreifen. Als reines Kind der Moderne hingegen vernichten außerdem Kunststoffradierer gnädig unsere missglückten Entwürfe. Sie bestehen aus Kunststoffen, die mittels Weichmachern ähnlich elastisch und radierfreudig wie Kautschuk gestaltet werden. Weil hier der Abrieb in ziemlich groben Krümeln erfolgt, die am Papier nicht haften bleiben, gelten sie als besonders papierfreundlich. Kautschukradierer hingegen lassen feine staubartige Überbleibsel zurück. Ein Bleistift schreibt, indem er Kohlenstoffpartikel aufs Papier überträgt. Diese haften am Blatt allein durch Adhäsion. Dahinter verbirgt sich ein physikalischer Effekt, die anziehende Kraft zwischen Molekülen verschiedener Stoffe. Nun besitzt aber Kautschuk eine höhere Adhäsionskraft als Papier; deshalb rafft der Radierer von dort den ganzen Kohlenstoff an sich. Ein wenig Technik schadet dennoch nicht: Führt man nämlich den Radierer längs des Strichs, gibt's hässliche Verschmierungen; wird schräg zum Strich radiert, lässt sich das vermeiden. Im Gegensatz hierzu tragen Tintenradierer eine dünne Schicht vom Papier ab. Dazu sind sie mit fein gemahlenem Bimsstein versetzt, der als Schleifmittel wirkt. Denn während Kohlenstoff dem Papier nur locker anhängt, dringt Tinte in dieses ein, was die nicht gerade schonende Entfernung nach sich zieht. Übrigens entfernten schon die Mönche im Mittelalter ihre Patzer durch Kratzen. Und um 1550 soll ein italienischer Maler empfohlen haben, Bleistift mit Brot vom Blatt zu radieren. Unter den vermeintlich wichtigsten Erfindungen der Menschheit findet sich gelegentlich auch unser Radiergummi. Bei aller Hochachtung, da überfrachtet man das kleine Alltagsding. Dank verschiedener Methoden einmal Skizziertes entfernen, korrigieren, ergänzen zu können - das ist freilich genial. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 24.1.2006) Im Jahr 1770 entdeckte der britische Naturforscher Joseph Priestley zeitgleich mit Edward Cairne (1726-1806) oder Edward Nairne (?), dass sich Kautschuk zum Entfernen von Bleistiftstrichen eignet. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts soll mit Brot die gleiche Funktion erfüllt worden sein.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Radiergummi) |